Analoge Zeitreise mit der Zenit E

Review Zenit E

Die Kleinbildkamera Zenit aus der UdSSR ist eine der meistverkauften Spiegelreflexkameras vergangener Zeiten. Die Preise für diese grundsoliden Kameras sind so niedrig, dass man diese regelrecht hinterhergeworfen bekommt.

Eher zufällig fiel mir die Zenit E in die Hand. Die Funktionen der Kamera sind selbsterklärend und eine Freude für Puristen und Mechanik-Liebhaber. Verschlusszeiten von 1/30 bis 1/500s, Bulb-Modus, Selbstauslöser, Blitzschuh und ein Selen-Belichtungsmesser. Das wars.

 

Der Belichtungsmesser ist jedoch nur bedingt nutzbar. Zum Einen erfolgt die Belichtungsmessung nicht durchs Objektiv. Der Belichtungsmesser ist auf den Bildausschnitt eines Objektivs mit ca. 50mm Brennweite ausgerichtet. Somit stimmt die Messung bei anderen Brennweiten nicht.

Zenit E Sunny 16

Desweiteren liefert der Belichtungsmesser nur bei Tagslicht sinvolle Ergebnisse. Bei Gegenlicht , Indoor und in Low-Light Situationen ist man auf sich gestellt. Daher habe ich mir auf der Unterseite der Kamera die Sunny 16 - Regel und weitere Richtwerte vermerkt. Der Belichtungsmesser versorgt sich über das Licht selbst mit Strom, eine Batterie benötigt ihr nicht.

 

Aber jetzt zur Praxis!
35mm Film (hier Kodak Tri-X 400) eingelegt und los gehts.
Die verwendeten Objektive kenne ich bislang nur durch Adaption an meine moderne Systemkamera & da haben diese vorzügliche Dienste geleistet. Zum Einsatz kommen:
Helios 44-2 58mm f2
Jupiter 11 135mm f4

Jupiter 21 200mm f4

 

Und hier -Trommelwirbel- die Resultate:

(Die Negative wurden mit einem Vergrößerungsobjektiv in einer selbst gebauten Vorrichtung abfotografiert. Anschließend habe ich digital den Tonwertumfang angepasst. Ansonsten erfolgte keine weitere digitale Nachbereitung. Das verfehlt natürlich etwas den Sinn analoger Fotografie. Ausgewählte Bilder habe ich auch noch klassisch in der Dunkelkammer entwickelt. Das sieht dann natürlich nochmal etwas anders aus als die Darstellung am Bildschirm!)

Fazit:
Die Zenit E überzeut durch Wertigkeit, Haptik und die gute Verfügbarkeit an sehr guten & preiswerten M42 Objektiven.

Wie auf meinen Bildern zu erkennen ist, eilt der Stoffverschluss meines Exemplars bei manchen Verschlusszeiten etwas nach. Hierdurch werden die Bilder teilweise abgeschnitten oder weisen vertikale unter- oder überbelichtete Streifen auf.

Mit 1/500s als kürzeste Verschlusszeit ist die Zenit etwas langsam. Wer Wert auf eine flexible Belichtungsmessung legt, ist mit der Zenit falsch beraten.

Wem die Zenit in die Hand fällt, sollte diese ausprobieren. Wer vor der Entscheidung einer Neuanschaffung steht, dem würde ich eher eine Praktica der L-Reihe empfehlen. Diese verfügen über einen metallischen Lamellenverschluss, welcher präziser und nicht so störanfällig ist.  Allerdings sollte man ein Modell wählen, für welches es noch Batterien zu kaufen gibt. So musste meine Zenit E aufgrund des fehlerhaften Stoffverschlusses einer Praktica MTL 5B weichen. Oder soll es etwas verrückter sein? --> klick

 

Stay tuned!

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