Analoge Panoramaaufnahmen mit der etwas anderen Kamera

Ca. 6 Monate trage ich nun schon die ziegelsteinschwere russische Panoramakamera "Horizont" aus dem Jahre 1972 mit mir rum. Nun ist endlich der erste Film aus dieser Kamera voll & entwickelt.

 

Warum das so lange gedauert hat?  Nunja...

 

Es ist gar nicht mal so leicht Motive für ein Format von 24 x 58 bei einem 120 Grad Bildwinkel zu finden. Hinzu kommt, dass die Kamera über keinerlei Belichtungsmessung, geschweige denn Automatiken verfügt. "Mal eben ein Foto machen" ist nicht.  Nein, diese Kamera fordert Muße, eine ruhige Hand, Kopfrechnen und ein bisschen Liebe.   - und dann dauert dat halt 6 Monate:

Analoge Panoramaaufnahme Hozizont USSR
"Sniper Tower" Mostar, Bosnien und Herzegowina
Panoramakamera Horizont
Mostar, Bosnien und Herzegowina
Mostar, Bosnien und Herzegowina
Mostar, Bosnien und Herzegowina
Analoges Panorama Horizont
Mostar, Bosnien und Herzegowina
russian panorama camera horizont
Triglav Nationalpark Slowenien
Magnolia, USSR Horizont
Panorama Horizont
Panorama Horizont
Panorama Horizont
Panorama Horizont
Panorama Horizont

Tmax 400
Die Negative wurden mit einem Vergrößerungsobjektiv in einer selbst gebauten Vorrichtung digitalisiert. Der Tonwertumfang wurde  angepasst. Ansonsten erfolgte keine weitere digitale Nachbereitung.

Die Panoramaaufnahme kommt dadurch zustande, dass sich das Objektiv (28mm f2.8) während der Aufnahme dreht. Das durch das Objektiv fallende Licht muss vor dem Auftreffen auf den Film zunächst durch einen Spalt. Dieser Spalt dreht sich ebenfalls mit dem Objektiv. Die Spaltgröße kann verstellt werden. Hierdurch ergeben sich bei konstanter Drehgeschwindigkeit die unterschiedlichen Belichtungszeiten von 1/30, 1/60, 1/125 und 1/250s. Die Blende kann von f2.8 bis f16 verstellt werden. Dazu ein Sucher mit Wasserwaage  - das wars!

 

Wie die überbelichteten Streifen in meinen Bildern zeigen, scheint sich das Objektiv meiner Kamera nicht ganz gleichmäßig zu drehen. Ansonsten bin ich von dem Ergebnis positiv überrascht. Ein schönes, sonderbares Spielzeug für den experimentellen Fotografen!


Stay tuned!

Streetart & Lost Places - Praktica MTL5b

Es ist endlich wieder soweit - Die letzte Chemie verlässt die Entwicklerdose und zum ersten Mal erblickt der sorgsam belichtete 35mm Film das Tageslicht. Nervös, ungeduldig und gespannt betrachte ich den noch nassen Film. Ist überhaupt etwas drauf? Habe ich richtig belichtet? Funktioniert die "neue" Praktica MTL5b aus der ehemaligen DDR? Ist bei der Entwicklung alles gut gegangen? Oder habe ich doch alles verkackt?

 

Während die fittesten meiner Gehirnzellen bereits das Signal zur Entspannung aussenden, ist der Hauptteil meiner Gehirnzellen damit beschäftigt Tagträumen hinterher zu eifern oder am Tresen zu sitzen. Doch bald hat es auch die umnachtetste Gehirnzelle kapiert. Der Pöbel erhebt sich vom Tresen, die Idealisten pausieren den Aufbau der Luftschlösser. "JAAA MAN, es hat funktioniert! Öffnet die Schleusen - Setzt das Dopamin frei!"

 

Genug gefaselt, hier kommt eine Auswahl der Bilder. Pro & Contra und was man sonst noch bei der Praktica der Reihe L beachten sollte findet Ihr im Anschluss.

Die Negative wurden mit einem Vergrößerungsobjektiv in einer selbst gebauten Vorrichtung abfotografiert. Der Tonwertumfang wurde  angepasst. Ansonsten erfolgte keine weitere digitale Nachbereitung.

Der Stoffverschluss meiner Zenit E hat nicht so zuverlässig funktioniert, sodass ich anschließend Streifen auf meinen Bildern hatte. Daher musste etwas Zuverlässigeres her. Die Praktica Modelle der Reihe L verfügen über einen unverwüstlichen Stahllamellen-verschluss. In den meisten Modellen der L-Reihe ist eine TTL ("through the lens") - Belichtungsmessung integriert. Hierbei ist darauf zu achten, ein Modell zu wählen welches nicht auf Quecksilberoxidzellen angewiesen ist. Diese werden nämlich aufgrund einer EU-Richtlinie nicht mehr hergestellt. Eine gute Übersicht über den modellabhängigen Batterieeinsatz findet ihr hier.

 

Meine Wahl fiel auf eine Praktica MTL5b.
Die Praktica war der Exportrenner der DDR. Es gibt eine Vielzahl absolut neuwertiger Exemplare die regelrecht verschenkt werden.

Die Mechanik der Kameras ist meistens intakt, die Belichtungsmessung ist jedoch häufiger in die Jahre gekommen und misst nicht mehr genau. Mir sind über die Zeit 3 dieser Kameras in die Hände gefallen - bei allen funktionierte die Mechanik einwandfrei, jedoch nur bei einer die Belichtungsmessung.

 

Ansonsten verfügt die Kamera über -mir völlig ausreichende- Verschlusszeiten bis zu 1/1000s, einem Selbstauslöser und einem Blitzschuh. Die Kamera verfügt über keinerlei Automatik, d.h. gewisse Grundkenntnisse zur Belichtung sollten beim Bediener vorhanden sein.

 

Ich bin ein absoluter Fan der Kamera und werfe sie entsprechend häufig mit in den Rucksack. Hauptgrund hierfür ist der M42 Anschluss, welcher die Nutzung von günstigen, richtig nicen Objektiven ermöglicht.  Trotzdem will ich euch zwei kleine Mankos nicht vorenthalten:

  • Die Spule , welche den Film führt, kann auch bei eingeklappter Kurbel gedreht werden. Das passiert mir schon mal unabsichtlich beim Ein- & Auspacken. Und wenn sich diese dreht oder bewegt, dann bewegt sich auch der Film im Inneren der Kamera. Das wiederum kann zu Bildüberlappungen führen. Das lösen andere Kameras wesentlich geschickter.
  • Die Mattscheibe und somit auch das Bild im Sucher ist recht klein. Zudem "hilft" ein Triplemesskeil im Sucher. Außerhalb des Messkeils ist das Bild immer etwas milchig, sodass man genötigt ist über den Messkeil scharfzustellen. Von diesen Messkeilen halte ich ja ungefähr so viel wie von nem Regensensor beim Scheibenwischer im Auto - nervt mich, nervt mich, braucht kein Mensch. Eine einfache Mattscheibe wäre mir lieber.

Wer nicht auf Blenden- & Zeitautomatik verzichten möchte, ist mit einer Minolta XD7 ganz gut beraten.

 

[Offtopic: Im Ernst, wer bekommt es nicht hin Regen auf der Windschutzscheibe zu erkennen und dann den Finger 3 cm vom Lenkrad weg zu bewegen um einen Schalter zu betätigen? Grummel...grummel...Idioten...grummel]

Stay tuned!

Analoge Zeitreise mit der Zenit E

Review Zenit E

Die Kleinbildkamera Zenit aus der UdSSR ist eine der meistverkauften Spiegelreflexkameras vergangener Zeiten. Die Preise für diese grundsoliden Kameras sind so niedrig, dass man diese regelrecht hinterhergeworfen bekommt.

Eher zufällig fiel mir die Zenit E in die Hand. Die Funktionen der Kamera sind selbsterklärend und eine Freude für Puristen und Mechanik-Liebhaber. Verschlusszeiten von 1/30 bis 1/500s, Bulb-Modus, Selbstauslöser, Blitzschuh und ein Selen-Belichtungsmesser. Das wars.

 

Der Belichtungsmesser ist jedoch nur bedingt nutzbar. Zum Einen erfolgt die Belichtungsmessung nicht durchs Objektiv. Der Belichtungsmesser ist auf den Bildausschnitt eines Objektivs mit ca. 50mm Brennweite ausgerichtet. Somit stimmt die Messung bei anderen Brennweiten nicht.

Zenit E Sunny 16

Desweiteren liefert der Belichtungsmesser nur bei Tagslicht sinvolle Ergebnisse. Bei Gegenlicht , Indoor und in Low-Light Situationen ist man auf sich gestellt. Daher habe ich mir auf der Unterseite der Kamera die Sunny 16 - Regel und weitere Richtwerte vermerkt. Der Belichtungsmesser versorgt sich über das Licht selbst mit Strom, eine Batterie benötigt ihr nicht.

 

Aber jetzt zur Praxis!
35mm Film (hier Kodak Tri-X 400) eingelegt und los gehts.
Die verwendeten Objektive kenne ich bislang nur durch Adaption an meine moderne Systemkamera & da haben diese vorzügliche Dienste geleistet. Zum Einsatz kommen:
Helios 44-2 58mm f2
Jupiter 11 135mm f4

Jupiter 21 200mm f4

 

Und hier -Trommelwirbel- die Resultate:

(Die Negative wurden mit einem Vergrößerungsobjektiv in einer selbst gebauten Vorrichtung abfotografiert. Anschließend habe ich digital den Tonwertumfang angepasst. Ansonsten erfolgte keine weitere digitale Nachbereitung. Das verfehlt natürlich etwas den Sinn analoger Fotografie. Ausgewählte Bilder habe ich auch noch klassisch in der Dunkelkammer entwickelt. Das sieht dann natürlich nochmal etwas anders aus als die Darstellung am Bildschirm!)

Fazit:
Die Zenit E überzeut durch Wertigkeit, Haptik und die gute Verfügbarkeit an sehr guten & preiswerten M42 Objektiven.

Wie auf meinen Bildern zu erkennen ist, eilt der Stoffverschluss meines Exemplars bei manchen Verschlusszeiten etwas nach. Hierdurch werden die Bilder teilweise abgeschnitten oder weisen vertikale unter- oder überbelichtete Streifen auf.

Mit 1/500s als kürzeste Verschlusszeit ist die Zenit etwas langsam. Wer Wert auf eine flexible Belichtungsmessung legt, ist mit der Zenit falsch beraten.

Wem die Zenit in die Hand fällt, sollte diese ausprobieren. Wer vor der Entscheidung einer Neuanschaffung steht, dem würde ich eher eine Praktica der L-Reihe empfehlen. Diese verfügen über einen metallischen Lamellenverschluss, welcher präziser und nicht so störanfällig ist.  Allerdings sollte man ein Modell wählen, für welches es noch Batterien zu kaufen gibt. So musste meine Zenit E aufgrund des fehlerhaften Stoffverschlusses einer Praktica MTL 5B weichen. Oder soll es etwas verrückter sein? --> klick

 

Stay tuned!

Jupiter 11 - Schneckengang ausbauen, reinigen & neu Fetten


- Reparaturanleitung schwergängiger Fokusring -

Jupiter 11 Anleitung

- Ausgangssituation -

Jupiter 11 Fokus schwergängig

1. Opitik von Fokussiermechanismus trennen

 

(Feingewinde)

Jupiter 11 Ausbau

2. Optikelement beiseite legen

Jupiter 11 Raparatur Anleitung

3. Drei Schrauben lösen

 

(müssen nicht koplett herausgedreht werden)

Jupiter 11 Raparatur Anleitung

4. Fokussierring abziehen

 

(in Richtung Objektivrückseite)

Jupiter 11 Raparatur Anleitung

5. Gewinde des Fokussierträgerrings lösen

 

Zuvor muss die markierte Fixierschraube gelöst werden.

Jupiter 11 Fokusring schwergängig

6. Fokussierträgerring abziehen

Jupiter 11 Schneckengewinde

7. Schneckengang freilegen

 

Beim Einbau sind 2 Einbaurichtungen möglich. Wählt man den flalschen, sind die Belden und Enferungsskate um 180° versetzt.

 

Will man dies vermeiden, sollte man die Position markieren.

 

Jupiter 11 Fokussierung

8. Führingsschrauben lösen.

 

 

Jupiter 11 Aufbau

9. Nun können alle Bauteile getrennt werden.

Jupiter 11 Reparatur

10. Teile reinigen

Jupiter 11 neu fetten

11. Neu fetten

 

Nicht nur das Schneckengewinde, sondern auch der Teil, wo Reibung zwischen den Aluminumteilen entsteht. 

Jupiter 11 Reparatur

12. Im umgekehrter Reihenfolge zusammenbauen

 

Hinweis: Der Fokussierträgerring kann genutzt werden, um den Wiederstand des Fokusses einzustellen. Bestimmt wird die dadurch, wie fest man das Gewinde festzieht. Durch die Fixierschraube wird diese Stellung, wie der Name schon sagt, fixiert.

Jupiter 11

13. Bewundern

Zu dem Objektiv im Einsatz werde ich noch ein getrenntes Review machen. Ich will es vorber aber noch öfter einsetzen, um es in verschiedenen Situationen zu nutzen. Vorab schonmal: Es ist knackscharf ab Offenblende.

 

Ein kleiner Vorgschmack:

Jupiter 11 Portrait
0 Kommentare

Telezoom für 70€ - Geht das? Altglas Review Canon FD 80-200mm f4 S.S.C

CanonFD80-200mmf4_SonyAlpha6000

Wer sich ein modernes, lichtstarkes Telezoom Objektiv zulegen will, muss hierfür schnell 1000 Euronen hinblättern. Eine wilkommene, erheblich günstigere Alternative ist Altglas. Ich habe für euch das ca. 30 Jahre alte Canon FD 80-200mm mit einer durchgehenden Lichtstärke von f4 an einer modernen Systemkamera gestet. Ein gutes, kratz- und pilzfreies Exemplar bekommt man für 70€. Weitere 20€ müsst ihr dann noch für einen passenden Adapter investieren (meine Empfehlung: Adapter von K&F Concept).

 

Die Frage ist: Kann das Ganze gute Bilder liefern?
Die Kurzantwort ist JA! Doch gehen wir etwas mehr ins Detail:

 

Verarbeitung
Die Verarbeitung ist ein Traum. Alles bis auf die Griffflächen ist aus Metall. Zum Verstellen der Blende, der Brennweite und des Fokus sind 3 Ringe hintereinander angeordnet. Bei dem vorgestellten Modell handelt es sich um einen Drehzoom, was ich personlich bevorzuge. Es gibt jedoch auch andere Modelle mit Schiebezoom. Das Objektiv verfügt über eine Sonnenblende, welche aufgeschoben werden kann. Die Blende ist ebenfalls aus Metall und von innen mit Filz zur Minimierung von Reflektionen ausgebettet. Absolut hochwertig.

 

Bildqualität
Die Schärfe ist gut. Nicht sehr gut, aber auch nicht schlecht. Wem das nicht reicht, der kann auf die gehobene Variante 80-200mm f4L ausweichen. Die L-Version gilt als eins der besten jemals produzierten Telezoom-Objektiven, ist jedoch auch entsprechend rar und kostet um die 300 Euronen. Zurück zu der günstigen Variante: Chromatische Abberationen sind schon ein Thema, vorallem bei Offenblende. In Zeiten der digitalen Bildbearbeitung jedoch mit einem Klick behoben. Mir gefällt vorallem die harmonische, satte Farbdarstellung. Das macht für mich den Charme von Altglas aus. Deswegen bearbeite ich diese Bilder auch nur dezent. Aber seht selbst: Links komplett unbearbeitet (auch keine kamera-interne jpeg-Bearbeitung), rechts eine dezente RAW-Entwicklung:

Handhabung
In der ersten Zeit mit dem Objektiv habe ich viel geflucht. Fokussieren will mit diesem Objektiv geübt sein. Insbesonders, wenn das Objekt eurer Begierde 7-30 Meter entfernt ist, da hier die minimalste Drehung des Fokusrings über scharf und unscharf entscheidet. Fokussieren mit der Kamerafunktion Focus Peaking alleine ist nicht zu empfehlen. Eine Ausschnittsvergrößerung ist bei jedem Bild notwendig.
Problematisch ist auch, dass  Fokus- und Brennweitenring sehr leichtgängig sind. Kommt man hier aus Versehen kurz dran oder legt die Kamera kurz ab, so muss wieder neu fokussiert werden. Das kostet Zeit. Für Situationen, in denen ihr schnell reagieren müsst, ist das Objektiv daher ungeeignet.
An diese kleinen Makel gewöhnt man sich jedoch schnell und lernt damit umzugehen.

 

Zusammenfassend kann ich das Objektiv definitiv empfehlen. Und 70€ ist in der Photografiewelt ja nix! Hinterlasst mir Feedback, Fragen und eure Erfahrungen und Tipps in den Kommentaren!
Abschließend noch ein paar Beispielaufnahmen. Peace out.

1 Kommentare

Visit me on Instagram