Streetart & Lost Places - Praktica MTL5b

Es ist endlich wieder soweit - Die letzte Chemie verlässt die Entwicklerdose und zum ersten Mal erblickt der sorgsam belichtete 35mm Film das Tageslicht. Nervös, ungeduldig und gespannt betrachte ich den noch nassen Film. Ist überhaupt etwas drauf? Habe ich richtig belichtet? Funktioniert die "neue" Praktica MTL5b aus der ehemaligen DDR? Ist bei der Entwicklung alles gut gegangen? Oder habe ich doch alles verkackt?

 

Während die fittesten meiner Gehirnzellen bereits das Signal zur Entspannung aussenden, ist der Hauptteil meiner Gehirnzellen damit beschäftigt Tagträumen hinterher zu eifern oder am Tresen zu sitzen. Doch bald hat es auch die umnachtetste Gehirnzelle kapiert. Der Pöbel erhebt sich vom Tresen, die Idealisten pausieren den Aufbau der Luftschlösser. "JAAA MAN, es hat funktioniert! Öffnet die Schleusen - Setzt das Dopamin frei!"

 

Genug gefaselt, hier kommt eine Auswahl der Bilder. Pro & Contra und was man sonst noch bei der Praktica der Reihe L beachten sollte findet Ihr im Anschluss.

Die Negative wurden mit einem Vergrößerungsobjektiv in einer selbst gebauten Vorrichtung abfotografiert. Der Tonwertumfang wurde  angepasst. Ansonsten erfolgte keine weitere digitale Nachbereitung.

Der Stoffverschluss meiner Zenit E hat nicht so zuverlässig funktioniert, sodass ich anschließend Streifen auf meinen Bildern hatte. Daher musste etwas Zuverlässigeres her. Die Praktica Modelle der Reihe L verfügen über einen unverwüstlichen Stahllamellen-verschluss. In den meisten Modellen der L-Reihe ist eine TTL ("through the lens") - Belichtungsmessung integriert. Hierbei ist darauf zu achten, ein Modell zu wählen welches nicht auf Quecksilberoxidzellen angewiesen ist. Diese werden nämlich aufgrund einer EU-Richtlinie nicht mehr hergestellt. Eine gute Übersicht über den modellabhängigen Batterieeinsatz findet ihr hier.

 

Meine Wahl fiel auf eine Praktica MTL5b.
Die Praktica war der Exportrenner der DDR. Es gibt eine Vielzahl absolut neuwertiger Exemplare die regelrecht verschenkt werden.

Die Mechanik der Kameras ist meistens intakt, die Belichtungsmessung ist jedoch häufiger in die Jahre gekommen und misst nicht mehr genau. Mir sind über die Zeit 3 dieser Kameras in die Hände gefallen - bei allen funktionierte die Mechanik einwandfrei, jedoch nur bei einer die Belichtungsmessung.

 

Ansonsten verfügt die Kamera über -mir völlig ausreichende- Verschlusszeiten bis zu 1/1000s, einem Selbstauslöser und einem Blitzschuh. Die Kamera verfügt über keinerlei Automatik, d.h. gewisse Grundkenntnisse zur Belichtung sollten beim Bediener vorhanden sein.

 

Ich bin ein absoluter Fan der Kamera und werfe sie entsprechend häufig mit in den Rucksack. Hauptgrund hierfür ist der M42 Anschluss, welcher die Nutzung von günstigen, richtig nicen Objektiven ermöglicht.  Trotzdem will ich euch zwei kleine Mankos nicht vorenthalten:

  • Die Spule , welche den Film führt, kann auch bei eingeklappter Kurbel gedreht werden. Das passiert mir schon mal unabsichtlich beim Ein- & Auspacken. Und wenn sich diese dreht oder bewegt, dann bewegt sich auch der Film im Inneren der Kamera. Das wiederum kann zu Bildüberlappungen führen. Das lösen andere Kameras wesentlich geschickter.
  • Die Mattscheibe und somit auch das Bild im Sucher ist recht klein. Zudem "hilft" ein Triplemesskeil im Sucher. Außerhalb des Messkeils ist das Bild immer etwas milchig, sodass man genötigt ist über den Messkeil scharfzustellen. Von diesen Messkeilen halte ich ja ungefähr so viel wie von nem Regensensor beim Scheibenwischer im Auto - nervt mich, nervt mich, braucht kein Mensch. Eine einfache Mattscheibe wäre mir lieber.

Wer nicht auf Blenden- & Zeitautomatik verzichten möchte, ist mit einer Minolta XD7 ganz gut beraten.

 

[Offtopic: Im Ernst, wer bekommt es nicht hin Regen auf der Windschutzscheibe zu erkennen und dann den Finger 3 cm vom Lenkrad weg zu bewegen um einen Schalter zu betätigen? Grummel...grummel...Idioten...grummel]

Stay tuned!

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